Lebensversicherer suchen nach Alternativen zum Garantiezins

Die niedrigen Zinsen setzen den Lebensversicherern immer stärker zu. Experten erwarten, dass einige Gesellschaften bei der Finanzaufsicht BaFin die zeitweise Aussetzung der Mindestüberschussbeteiligung aus Lebensversicherungsverträgen beantragen könnten. “Es gibt Stimmen im Markt, die das vermuten”, sagte Frank Ellenbürger, Vorstand bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, auf einer FTD-Versicherungskonferenz in Köln.

Bei klassischenLebensversicherungen sichert der Anbieter dem Kunden eine garantierte Mindestverzinsung seines Sparguthabens abzüglich der Kosten zu. Die Versicherer haben Kunden in früheren Jahren hohe Garantieverzinsungen von zum Teil vier Prozent des Sparanteils an den Beiträgen versprochen. Im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld ist das aber problematisch für die Gesellschaften, weil sie deutlich weniger verdienen, wenn sie Kapital frisch anlegen.
Darüber hinaus muss der Versicherer Kunden an seinen Überschüssen beteiligen, die er zum Beispiel am Kapitalmarkt erwirtschaftet. Diese Mindestbeteiligung möchten einige Anbieter zeitweilig beschneiden.
Neben der Möglichkeit, die Mindestüberschussbeteiligung zu stunden, kann die BaFin auch die Garantiezinsen auf Lebensversicherungen aussetzen. Auch wenn die Versicherer dies in den darauffolgenden Jahren wieder aufholen müssten, wäre damit das Vertrauen der Kunden in das Produkt zerstört.

Die meisten Gesellschaften haben derzeit noch keine Probleme, alle Garantien zu erfüllen. Die Versicherer spielten aber mit dem Gedanken, neue Produkte anzubieten, die den Zins nur für eine gewisse Zeit garantieren, sagte Torsten Utecht, Finanzchef bei der deutschen Generali. Zudem könnten Unternehmen durch Neugeschäft, das zurzeit nur eine Garantieverzinsung von 1,75 Prozent hat, ihre Lage erleichtern. Carsten Zielke, Analyst bei der Société Générale, zeigte sich skeptisch. “Die Branche wird die Situation überleben, aber nur mit Neugeschäft wird sie es nicht schaffen”, sagte er. “Es wird eine massive Umdeckung nötig sein.”
Besser als ein erzwungener Verzicht auf einen Teil der garantierten Leistungen sei ein freiwilliges Umtauschangebot: “Es wäre besser, den Kunden flexible Produkte anzubieten, die in Sachwerte investieren und einen Inflationsausgleich bieten, ohne den bestehenden Vertrag groß abzuändern.” Eine Absenkung der Garantieleistungen um 30 Prozent würde das bei Versicherern vorhandene Risikokapital verdoppeln.

Zudem müssten die Gesellschaften bei der Kapitalanlage umdenken. “Die Kapitalallokation muss aggressiver werden, um mehr Rendite herauszuholen”, sagte Zielke. Bisher investieren Versicherer vor allem in Staats- und Unternehmensanleihen sowie bei Banken, die Aktienquoten haben die Gesellschaften stark zurückgefahren.
Generali-Vorstand Utecht hält eine marktweite Beschneidung des Garantiezinses zum jetzigen Zeitpunkt nicht für nötig. “Es geht zu weit, jetzt so dramatische Maßnahmen vorschlagen”, sagte er. “Wir müssten mit erheblichen Glaubwürdigkeitsproblemen kämpfen.” Es gebe genügend andere Stellschrauben, um das Problem der Niedrigzinsen in den Griff zu bekommen.
Der Meinung ist auch Michael Menhart, Chefvolkswirt des weltweit größten Rückversicherers Munich Re. “Die Zinszusatzreserve und die Senkung des aktuellen Garantiezinses auf 1,75 Prozent hat den Versicherern Luft verschafft”, sagte er. Erst wenn die Zinsen auch in den weiteren Jahren niedrig blieben, müsste man über entsprechende Maßnahmen nachdenken.