Talanx blamiert sich auf Weltniveau

Der Gang an die Börse sollte normalerweise etwas geplanter ablaufen als eine Essensverabredung – den kann man nicht einfach mal ankündigen, urplötzlich absagen und ihn dann innerhalb weniger Tage doch wieder ansetzen. Das, was die Talanx-Führung gerade mit ihrem IPO aufführt, ist mehr als nur eine PR-Posse. Es weckt ernsthafte Zweifel an den Fähigkeiten der Unternehmensleitung und an ihren Motiven.
Seit 15 Jahren spricht der Versicherungskonzern aus Hannover über einen möglichen Börsengang. In dieser Zeit ist er kräftig gewachsen, von einem mittelmäßigen Spezialversicherer zu einem globalen Rückversicherer, spätestens seit der Übernahme von Gerling. Das hat er gerade auch Vorstandschef Herbert Haas und Aufsichtsrat Wolf-Dieter Baumgartl zu verdanken. Doch die Nummer drei in Europa zu sein reichte ihnen offenbar nicht. Ein wahrer Konzern von Weltrang gehörte anscheinend ihrer Meinung nach an die Börse. Dann wären sie endlich auf Augenhöhe mit den ganz Großen der Branche, mit der Allianz und der Münchener Rück.
Auf den Erlös von wohl nun rund 500 Mio. Euro wäre das Unternehmen nicht angewiesen. Schon dass sie vor einer Woche auf den IPO verzichteten, dürfte vor allem etwas mit verletztem Stolz zu tun haben. Die Talanx-Führung sagte also den Börsengang einfach kurzfristig ab, weil ihr damals die von den Investoren anvisierte Bewertung des Unternehmens nicht ausreichte – viel verändert hat sich daran aber in der einen Woche seit der Absage nicht.
Nun behauptet Haas, man habe es sich doch wieder anders überlegt, weil sie von Anlegern bestürmt worden seien. Das muss er natürlich sagen, um nicht Fehler eingestehen zu müssen. Wenn Investoren aber wirklich so wild auf das Papier gewesen wären, hätte sich Talanx keine Sorgen um die Bewertung machen müssen.
Vielmehr mussten die Konzernchefs wohl erkennen, wie groß der Scherbenhaufen tatsächlich war, den sie mit der zwischenzeitlichen Absage angerichtet hatten. Sie hatten mit ihren Preisvorstellungen schlicht überzogen, wollten dasselbe Geschäft zweimal an die Börse bringen – die Tochter Hannover Rück ist schließlich bereits gelistet. Das wollten ihnen die Anleger nicht abnehmen.
Und: So schnell hätte sich der Konzern keinen erneuten Börsengangversuch leisten können, zumindest nicht unter den jetzigen Bedingungen und der jetzigen Führung. Dann lieber also der schnelle Rückzug vom Rückzug. Doch selbst wenn nun der Konzern auf Augenhöhe mit Allianz und Münchner Rück kommt – die Führung ist es offenbar noch lange nicht.