S&P sieht schwere Zeiten für Lebensversicherer

Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) rechnet damit, dass die deutschen Lebensversicherer in diesem Jahr zwischen 7 und 10 Prozent an Prämien einbüßen werden. “Auf der einen Seite ist der Bedarf an Lebensprodukten relativ hoch, andererseits sind die Kunden sehr zögerlich bei langen Vertragslaufzeiten”, sagte Christian Badorff von S&P. Das Prämienwachstum in den Jahren 2009 und 2010 hätten die Versicherer größtenteils mit kurzfristig angelegten Einmalbeiträgen bestritten. Sie werden 2011 weitgehend ausbleiben.

Zudem belasten die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt die Lebensversicherer. Die Differenz zwischen den Kapitalanlageergebnissen der Versicherer und den Garantiezinsen, die sie ihren Kunden zugesagt haben, verringert sich zunehmend. Nach Einschätzung von S&P liegt der mittlere Garantiezins im Portfolio bei 3,1 Prozent, für neu angelegtes Geld bekommen die Versicherer im Schnitt in diesem Jahr 3,5 bis 4 Prozent Zinsen.

Die Lebensversicherer hat S&P deshalb mit einem negativen Marktausblick versehen. Die Nicht-Lebensversicherer erhielten wegen der erwarteten Verbesserung des versicherungstechnischen Ergebnisses einen stabilen Ausblick. S&P rechnet mit einer Verbesserung der Schaden-Kostenquote von 98 Prozent auf 97 Prozent in 2011 und mit einem Prämienwachstum von 2 bis 3 Prozent. Getrieben werde die Entwicklung von höheren Preisen in der Kfz-Versicherung, so S&P. Einen nachhaltigen, massiven Prämienanstieg erwartet die Ratingagentur wegen des nach wie vor hohen Wettbewerbs aber nicht. Neue Anbieter wie Autohersteller mischten im Geschäft mit. “Das alles hält den Markt in Bewegung”, sagte Badorff.

Insgesamt attestiert S&P den Versicherern eine stabile Finanzstärke, auch wenn die Kapitalausstattung einiger Lebensversicherungstöchter zu wünschen übrig lasse. Dazu trage die konservative Kapitalanlagepolitik der Unternehmen bei. Die Aktienquote habe sich seit 2008 auf 6 bis 7 Prozent reduziert. Das meiste Geld sei in festverzinslichen Wertpapieren angelegt. Der Anteil an Staatsanleihen von Wackelkandidaten wie Griechenland, Irland und Portugal im Portfolio der deutschen Versicherer sei gering, die Auswirkung von Bonitätsverschlechterungen beherrschbar. Für bedeutsamer hält die Agentur dagegen wegen des größeren Exposures eine Ausweitung der Krise auf Spanien und insbesondere Italien. “Das würde eine Belastung für die Kapitalergebnisse und die Ratings der Versicherer beudeuten”, sagte Badorff.

Er hält es für wahrscheinlicher, dass sich die S&P-Sicht des Versicherungsmarktes in der Zukunft eher verschlechtert denn verbessert. Belastend könnten sich insbesondere ein anhaltender Niedrigzins, ein sinkendes Kapitalisierungsniveau wegen hoher Abschreibungen und ein anhaltend starker Wettbewerb auswirken, der die versicherungstechnischen Ergebnisse verschlechtert. “Dann sind auch durchaus Ratingveränderungen bei dem einen oder anderen Versicherer möglich”, sagte Karin Clemens, verantwortlich für S&Ps Versicherungsanalysen in Europa.