Unipol und Fonsai verhökern Aktien

Die Fusion zwischen Unipol und Fondiaria-Sai zum zweitgrößten italienischen Versicherer nachGenerali biegt in die Zielgerade ein. An diesem Montag beginnt die Kapitalerhöhung der beiden Gesellschaften, die für den Zusammenschluss erforderlich ist. Unipol und Fondiaria-Sai werden jeweils Aktien im Wert von 1,1 Mrd. Euro ausgeben. Ein Konsortium von elf Banken begleitet die Emission.
Es könnte das letzte Kapitel einer Geschichte sein, die Italien seit Monaten in Atem hält. Die angeschlagene Versicherungsgesellschaft Fondiaria-Sai benötigt nach Jahren des Missmanagements der Eigentümerfamilie Ligresti dringend frisches Kapital. Die beiden größten Fondiaria-Gläubiger, Mediobanca und Unicredit, werben seit Monaten um den Zusammenschluss mit Unipol aus Bologna, um ihren Einsatz zu retten. Wegen juristischer Probleme der Ligrestis und einer Konkurrenzofferte der Fonds Sator und Palladio geriet das Fusionsprojekt jedoch zu einer Hängepartie. Nachdem die Börsenaufsicht Consob am Donnerstag grünes Licht gab, scheint der Weg nun frei zu sein.
Einfach dürfte es nicht werden, die Kapitalerhöhung durchzubekommen. Um den Investoren den Einstieg schmackhaft zu machen, werden die neuen Aktien regelrecht verramscht. Fondiaria-Sai bietet die rund 917 Millionen Aktien mit einem Abschlag von knapp 25 Prozent gegenüber dem Kurs vom 5. Juli an, Bezugsrechte herausgerechnet. Unipol wirft die 423 Millionen Aktien mit einem Rabatt von 27 Prozent auf den Markt. Die Emission verwässert die Anteile der Altaktionäre erheblich. Das scheint die Consob zu beunruhigen. In einer Stellungnahme warnte die Behörde vor außergewöhnlichen Preisschwankungen und erinnerte die Marktteilnehmer an das Leerverkaufsverbot. Solch eine Mitteilung der Consob ist äußerst unüblich. Bei Leerverkäufen veräußern Marktakteure Papiere, die sie nicht besitzen – und hoffen, sie später zu niedrigeren Kursen mit Gewinn zurückzukaufen.
Für die organisierenden Konsortialbanken –Barclays, Credit Suisse, Deutsche Bank, Mediobanca, Nomura, UBS, Unicredit, Banca Akros, Banca Aletti, Banca Carige und Centrobanca – ist die Kapitalerhöhung riskant. “Der Abschlag erscheint mir gar nicht einmal so groß zu sein”, sagte ein Mailänder Analyst, der anonym bleiben wollte. “Einige Institute dürften wohl Angst haben, am Ende auf den Aktien sitzen zu bleiben.”
Die Banken drückten deshalb eine Klausel durch, die es ihnen erlaubt, das Konsortium zu verlassen, sollte das Rating Italiens noch einmal um zwei Stufen gesenkt werden – zusätzlich zu der Herabstufung durch Moody’s am vergangenen Freitag, dem Tag der Vertragsunterzeichnung. Die Banken seien über die Moody’s-Entscheidung im Bilde gewesen, hieß es.
Die Zeit drängt. Die italienische Versicherungsaufsicht Isvap fordert mit Blick auf die Kunden, die Kapitaldecke von Fondiaria-Sai möglichst schnell zu stärken. Geschieht das nicht, könnte sie eine Sonderverwaltung durchsetzen. Über die vergangenen zwei Jahre häufte Fondiaria-Sai Verluste von rund 2 Mrd. Euro an. Schuld daran war unter anderem das Gebaren des Ligresti-Clans, der die Gesellschaft ausgenommen haben soll. Transaktionen mit anderen Ligresti-Firmen bescherten dem Versicherer seit 2005 ein Minus von geschätzt 400 Mio. Euro.
“Retter” Unipol befindet sich selbst in einer schwierigen Lage. Im ersten Halbjahr übertraf der Versicherer mit einem Nettogewinn von 30 Mio. Euro zwar die Erwartungen der Analysten. Ein Portfolio strukturierer Wertpapiere von 3,5 Mrd. Euro. könnte jedoch einen Verlust von 620 Mio. Euro verursachen.