Munich-Re-Chef verlangt Zerschlagung von Großbanken

Nikolaus von Bomhard, Chef des weltgrößten Rückversicherers Munich Re und einer der prominentesten Manager des europäischen Finanzsektors, hat die Zerschlagung der Universalbanken und ihre Trennung in Investment- und Geschäftsbanken verlangt. “Ich bin ein Anhänger des Trennbankenprinzips”, sagte von Bomhard am Montagabend vor Journalisten in München. Von Bomhard vertritt die Bundesrepublik Deutschland im Aufsichtsrat der Commerzbank, an der der Bund 25 Prozent hält.
Von Bomhard sagte, es dürfe keine Banken geben, die so groß seien, dass sie bei Problemen von den Regierungen unbedingt gerettet werden müssten. “Ich würde immer alles so klein machen, dass es nicht mehr too big to fail ist.” Das könne je nach Land und Wirtschaftskraft unterschiedliche Größen für Banken bedeuten.
Munich Re gehört mit 212 Mrd. Euro Kapitalanlagen – davon ein bedeutender Teil bei Banken – zu den Schwergewichten im Finanzsektor. Mit der Attacke gegen die Universalbanken will der Konzernchef Distanz schaffen zwischen den Geldhäusern auf der einen Seite und seiner eigenen Branche auf der anderen. Im Gefolge der Krise führen Brüssel und Berlin auch für Versicherungen deutlich schärfere Kapital- und Aufsichtsvorschriften ein. Von Bomhard ist dagegen der Überzeugung, dass Versicherer und Rückversicherer im Gegensatz zu Banken keine systemrelevanten Risiken darstellen. Die Probleme um den US-Versicherer AIG, der 2008 mit 183 Mrd. Dollar gerettet werden musste, lässt er nicht als Gegenargument gelten – die Probleme seien nicht im Versicherungskonzern entstanden, sondern bei einer Schwestergesellschaft, die im Banksektor spekuliert hatte.
Erst vergangene Woche hatte Munich Re-Finanzchef Jörg Schneider angekündigt, der Rückversicherer prüfe die direkte Kreditvergabe an Unternehmen, ohne den Umweg über Banken. Entscheidungen dazu hat der Konzern noch nicht getroffen.
Von Bomhard sprach sich für eine Bankenunion in Europa aus. Doch müssten die Regeln dafür und die Eingriffsmöglichkeiten vorher eindeutig festgelegt sein und automatisch ablaufen. “Es kann nicht sein, dass man beim Auftreten von Schwierigkeiten anfängt zu verhandeln.”
Er sei im Prinzip dafür, Gläubiger der Banken bei Problemen an deren Verlusten zu beteiligen, damit vernünftig mit Risiken umgegangen werde, sagte von Bomhard. Doch sei es nicht richtig, wenn Politiker plötzlich ihre Meinung änderten und damit bestehende Anleger treffen. “Wenn ich vorher implizit Gläubigerschutz gebe, kann ich das nicht plötzlich ändern.”
Es gebe eine “unheilvolle Verknüpfung von Banken und Staaten”, sagte von Bomhard. Es bedürfe deshalb fundamentaler Änderungen im Finanzsektor, eher bei den Banken als bei den Versicherern.
“Der Euro wird überleben, ich kann Ihnen aber nicht sagen, in welcher Form”, sagte von Bomhard zu den Aussichten der Gemeinschaftswährung. Die Politiker müssten “viel ankündigen und schnell umsetzen”. Wer nur Trippelschritte ankündige und davon auch nur einen Teil liefere, werde nie die Kontrolle über die Situation erringen. Allein die Ankündigung eines europäischen Verfassungskonvents würde die Märkte beruhigen, glaubt er.
Die europäische Einigung gehe einher mit der Aufgabe von Souveränitätsrechten. “Da tun sich einige noch ziemlich schwer.” Er verlangte Fortschritte in Richtung eines europäischen Verfassungskonvents und schlug die Direktwahl von einzelnen wichtigen Funktionsträgern in Europa vor.
Den Schlüssel für die Zukunft Europas habe Frankreich in der Hand. Wenn Frankreich sich an die Spitze der EU-Länder setze, die eine Verlangsamung der Reformen wollten, gebe es Probleme.
Der Rückversicherer Munich Re sei gut gerüstet, gleich, wie die Krise ausgeht. “Das gilt für eine Fiskalunion ebenso wie für ein Auseinanderbrechen des Euro.”