Allianz wirft EU Realitätsverweigerung vor

Die Versicherungskonzerne Allianz und Zurich haben die Ausgestaltung der neuen Kapitalregeln für die Branche scharf kritisiert. Nach den ab 2013 geplanten Solvency-II-Vorschriften würden alle Anleihen der EU-Staaten mit der gleichen Ausfallwahrscheinlichkeit bedacht, bemängelte Risikovorstand Oliver Bäte. “Wir können nicht weiter so tun, als gäbe es keinen Bonitätsunterschied innerhalb Europas”, sagte er mit Blick auf den drohenden Zahlungsausfall Griechenlands.

Mit Solvency II will die EU einheitliche Regeln für Eigenkapitalausstattung und Transparenz der Versicherer durchsetzen. Die von den Unternehmen geforderte Kapitalunterlegung soll sich künftig nicht mehr nach starren Prozentsätzen richten, sondern stärker an den eingegangenen Risiken bemessen werden. Deren Gewichtung ist aber umstritten. So sollen die Versicherer für Staatsanleihen aus dem Euro-Raum kein Eigenkapital vorweisen müssen. Im bisherigen Regelwerk Solvency I werden die Kapitalanlagen allerdings überhaupt nicht berücksichtigt. Das heißt: Versicherer, die ihre Prämieneinnahmen sehr riskant anlegen, werden bislang genauso behandelt wie Firmen mit einem konservativen Ansatz.

Die Versicherer laufen seit Monaten Sturm gegen die Neuregelung, weil die geforderte Aufstockung des Eigenkapitals Rendite kostet. Allianz-Risikovorstand Bäte warnte, die Vorschriften könnten dazu führen, dass sich die Branche als langfristiger Kapitalgeber für die Realwirtschaft zurückziehe. “Das Wirtschaftswachstum wird durch Kapitalmangel gebremst”, sagte er.

Der Finanzchef der Zurich-Versicherung, Dieter Wemmer, kritisierte die geplante Neuregelung als überzogen. Die Assekuranz sei mit vergleichsweise geringen Blessuren durch die Finanzkrise gekommen und dürfe nicht mit den Banken über einen Leisten geschlagen werden, sagte er. “Auf ein solides System wird jetzt nochmal das Prinzip Vorsicht draufgepackt.”