Ein Blitz und die Ergo

Auch ein Versicherungskonzern ist nicht vor dem Unwetter geschützt: Am Montagabend wüteten über Teilen von Nordrhein-Westfalen schwere Hitzegewitter – und bei der Ergo schlug der Blitz ein. So legt es jedenfalls ein Video bei Youtube nahe, auf dem das Unwetter über Düsseldorf dokumentiert ist. Dort ist zu sehen, wie ein Blitz in der Spitze des Büroturms der Versicherung einschlägt, vielleicht aber auch knapp dahinter.

Genau kann das die Ergo am Dienstag nicht sagen. Eins jedoch ist klar: „Es ist kein Schaden am Haus entstanden“, sagte eine Sprecherin zu Handelsblatt Online. Wenn der Blitz also den 108 Meter hohen Glasturm erwischt hat, dann hat der Blitzableiter seinen Zweck erfüllt.

Viele andere NRW-Bürger werden nicht solches Glück gehabt haben. Die Versicherer berichten am Tag nach dem Unwetter über viele Sturm- und teilweise auch über Hagelschäden. Die NRW-Landesregierung geht von Schäden im zweistelligen Millionenbereich aus. Am Dienstagmittag wagte auch die Provinzial Rheinland eine Prognose. „Die Schadenssumme wird alleine bei unseren Kunden deutlich über 20 Millionen Euro betragen“, sagte der zuständige Bereichsleiter Günter Mohr. Zum Vergleich: Nach dem Wintersturm Kyrill 2007 hatte die Versicherung Schäden in Höhe von rund 110 Millionen Euro begleichen müssen.

Der Provinzial Rheinland sind bereits mehrere tausend Schäden gemeldet worden. Auffallend sei die große Anzahl an umgestürzten Bäumen. Neben Gebäude- hat es der Sparkassen-Versicherer mit zahlreichen Kraftfahrzeugschäden zu tun. Die höchste Einzelmeldung gebe es bisher aus dem Bereich Landwirtschaft. Der Schaden hierbei: rund eine halbe Million Euro.

Die Kollegen der Westfälischen Provinzial erwarten eine Schadenshöhe von 15 Millionen Euro aufgrund mehrerer tausend Meldungen, so ein Sprecher am späten Dienstagnachmittag. Es seien hauptsächlich „klassische Sturmschäden“ aufgetreten – also Beschädigungen durch umstürzende Bäume und herabfallende Äste. Diese würden in der Regel von der Wohngebäudeversicherung oder der Teilkasko-Kfz-Versicherung gezahlt.

Auch bei anderen Versicherungen laufen die Servicenummern heiß. Bei der Ergo waren um 11 Uhr schon so viele Anrufe eingegangen, wie sonst an einem kompletten Wochentag. Der Düsseldorfer Versicherer Arag berichtet von der drei- bis vierfachen Menge an Anrufen im Vergleich zu einem Montag. Wobei die Arag beobachtet hat, dass normalerweise nur knapp 30 Prozent der Schäden überhaupt am ersten Tag gemeldet werden.

Bei Sturmschäden haften vor allem Gebäude-, Hausrat- und Kaskoversicherungen. Wurden Ziegel vom Dach gerissen oder hat ein umgeknickter Baum das Haus beschädigt, greift in der Regel die Gebäudeversicherung. Das gilt auch für Beschädigungen durch faustgroße Hagel-Brocken am Dach oder auch an Fenstern. Wurden durch den Sturm Fenster eingedrückt und dadurch zum Beispiel Möbel beschädigt, kommt die Hausratversicherung zum Einsatz. Aber nur, wenn die Fenster geschlossen waren. Ansonsten hat der Versicherte fahrlässig gehandelt.

Kaskoversicherungen kommen für Schäden an Autos auf. Beschädigten Dachziegel einen parkenden Wagen, muss die Teilkasko des Autohalters zahlen. Das gilt auch für Hagelschäden. Oft muss der Versicherte allerdings eine Selbstbeteiligung leisten, zudem ist in der Regel nur der Wert des Autos zum Zeitpunkt der Schadensmeldung versichert (Zeitwert). Wenn ein Baum auf ein Auto gestürzt ist, übernimmt in der Regel auch die Teilkaskoversicherung die Reparaturkosten.

Überflutungen von Fahrzeugen sind ebenfalls durch die Kfz-Teilkasko abgedeckt. Hat der Regen hingegen den Keller überflutet, hilft allein eine Versicherung gegen Elementarschäden. Wie immer gilt: Schäden müssen der Versicherung umgehend gemeldet werden.

Wie viele Schäden es insgesamt gegeben hat und wie hoch sie ausfallen, wird sich erst in Wochen oder Monaten zeigen. Die meisten Versicherungen erwarten erste belastbare Prognosen am Ende dieser Woche. Teuer wird es auf jeden Fall. Auch wenn der Jahrhundertsturm 2007 kaum zu überbieten sein wird: Kyrill hatte damals in Deutschland einen versicherten Schaden in Höhe von 2,4 Milliarden Euro angerichtet.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version hatte die Überschrift suggeriert, dass der Blitz in jedem Fall bei der Ergo-Versicherung eingeschlagen hat. Das lässt sich nicht mit endgültiger Gewissheit sagen. Wir entschuldigen uns für die Ungenauigkeit.