Vermittler wollen Selbstregulierung

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) will einen eigenen Verein gründen, mit dem er seinen “Ehrenkodex” aus zehn eher allgemeinen Anforderungen an Versicherungsvermittler durchsetzen will. Der Verein “Ehrbare Versicherungskaufleute” wird mit der Industrie- und Handelskammer Hamburg zusammenarbeiten, die als unabhängige Schiedsstelle fungieren soll, kündigte Verbandschef Michael Heinz bei der Jahrestagung des BVK in Oldenburg an. Mitglieder müssten einen Auskunftsbogen ausfüllen und die Prinzipien unterschreiben.
Ein Beirat, für den Heinz auch Verbraucherschützer und Gewerkschaften gewinnen will, soll das Recht haben, Mitglieder auszuschließen. “Wir werden sehr selektiv festlegen, wer da reinkommt”, sagte Heinz, der mit 94 Prozent der Stimmen erneut zum Vorsitzenden des BVK gewählt wurde.
Mit seiner Initiative reagiert der Verband auf die öffentliche Debatte um Missstände in der Versicherungsvermittlung – Provisionsexzesse, Umdeckung bestehender Verträge zu Lasten des Kunden oder Skandale wie die um die Ergo-Versicherungsgruppe und den Kasseler Vertrieb MEG.
Die EU-Kommission und die Bundesregierung wollen die gesetzlichen Regelungen verschärfen. Berlin hat bereits eine Obergrenze von neun Monatsbeiträgen Provision für die private Krankenversicherung (PKV) eingezogen. Solche Eingriffe will Heinz auf jeden Fall verhindern. “Das war ein ordnungspolitischer Sündenfall allererster Güte.” Er sei zustande gekommen, weil es einige schwarze Schafe in der PKV gab “und dann drei andere Gesellschaften nach Berlin gelaufen sind und die gesetzliche Beschränkung der Provisionshöhe verlangt haben”.
Kritisch äußerte sich Heinz zur geplanten Verschärfung des Vertriebskodex durch den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Der GDV will die Vertriebspolitik durch Dritte prüfen lassen, Wirtschaftsprüfer oder der TÜV werden genannt. “Das ist eine Feigenblattdiskussion”, sagte Heinz. “Der Vertrieb muss sich von sich aus reinigen.” Verbände stellten immer den kleinsten gemeinsamen Nenner dar. “Kein GDV wird die Skandale verhindern”, sagte er. “Wenn die Verbände der Versicherer das verhindern könnten, hätten sie MEG in Kassel verhindert und wären nicht für eine gesetzliche Einschränkung des Provisionssatzes in Berlin eingetreten.” MEG sei kein Einzelfall, und schon heute betreibe die Versicherungsbranche die Umgehung der Obergrenze bei den PKV-Provisionen.
 
Heinz sagte, es gebe selbstverständlich Verwerfungen unter den 260.000 Versicherungsvermittlern, dazu gehörten die Umdeckungen zu Lasten der Kunden. “Das hat mit der Gründung der großen Strukturvertriebe schon vor 20 oder 30 Jahren angefangen”, sagte er. “Dort wird nicht nach den Kriterien des ehrbaren Kaufmanns gearbeitet, sondern nur noch wegen Provisionsgier, Druck und Wachstum.” AWD-Gründer Carsten Maschmeyer und DVAG-Chef Reinfried Pohl hätten Verbindungen ins Kanzleramt und würden hofiert. “Maschmeyer hat den AWD gegründet und berät heute zusammen mit Rürup die Bundesregierung in Fragen der Altersversorgung”, sagte Heinz. Pohl habe seit Jahrzehnten die besten Beziehungen zum früheren Bundeskanzler Helmut Kohl. Dabei arbeite man dort nach dem Aua-Prinzip (Anhauen, umhauen, abhauen). “Da müssen wir uns abgrenzen.”
Der BVK will künftig verschärft dafür eintreten, die Privilegierung von Versicherungsunternehmen oder Banken bei der Registrierung von Versicherungsvermittlern zu beenden. “Diese Lösung muss wegfallen.” Immer wieder seien schlecht qualifizierte Mitarbeiter registriert worden. “Wir sind für die Eigenregistrierung eines jeden einzelnen Vermittlers bei der Industrie- und Handelskammer”, sagte er. Auch Bankangestellte, die in Versicherungsfragen beraten, müssten selbst die nötige Qualifikation und Registrierung aufweisen “und nicht jemanden kennen, der die Qualifikation hat”.
Der BVK hat jetzt 9800 Mitglieder, 7,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dazu kommen rund 30.000 indirekte Mitglieder, die sich einem Verein von Vermittlern in den einzelnen Gesellschaften angeschlossen haben.