Signal Iduna verlangt Solvency-Verschiebung

Der Versicherungskonzern Signal Iduna verlangt mehr Zeit für die Einführung des neuen EU-Aufsichtssystems Solvency II. “Ein Übergangszeitraum von ein bis zwei Jahren ist zwingend erforderlich”, sagte Finanzchef Ulrich Leitermann.
Die EU-Kommission will die Regeln bis Mitte 2013 einführen, ab Anfang 2014 sollen sie dann scharfgeschaltet werden. “Wenn der Zeitplan so eingehalten wird, werden wir in Europa ein paar Überraschungen erleben”, sagte er. Die Branche kenne bis heute nicht die entscheidenden Kenngrößen für das neue System, über die immer noch in Brüssel verhandelt wird. “Ein halbes Jahr Übergang ist zu kurz.”
Für die Signal Iduna ist eine der ungeklärten Fragen besonders wichtig: Die Gruppe ist als Gleichordnungskonzern organisiert, an der Spitze stehen mehrere Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit, die über Verträge und ein gemeinsames Management verbunden sind. Sie besitzen zwar gemeinsame Tochterunternehmen, haben aber untereinander keinerlei Kapitalverflechtungen. Noch ist nicht geklärt, ob die Gleichordnungskonzerne genauso wie Konzerne mit Aktiengesellschaften an der Spitze die jeweiligen Eigenmittel für Solvenzzwecke miteinander verrechnen können. “Der Gleichordnungskonzern findet auf EU-Ebene einfach nicht statt”, sagte Leitermann. Dazu kommt, dass auch Privatbanken zur Gruppe gehören, hier also die noch nicht konkret gefassten Regeln für Finanzkonglomerate gelten.
Leitermann sagte, die Branche brauche unbedingt die vom EU-Parlament vorgeschlagenen Sonderregeln für Krisenfälle, vor allem die antizyklische Prämie, die Auswirkungen von Niedrigzinsen auf Lebensversicherer abfedern soll. “Es kann nicht angehen, dass die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa einfach die antizyklische Prämie festlegen kann”, sagte Leitermann. Das sei nicht berechenbar, so könnten Unternehmen nicht planen.
Die Signal Iduna-Führung sieht keine unmittelbaren Auswirkungen eines möglichen Euro-Austritts Griechenlands. “Wir haben keine griechischen Staatsanleihen mehr”, sagte Finanzchef Leitermann. Von dem kleinen Bestand von 14 Mio. Euro habe sich die Gruppe getrennt. “Natürlich hätte ein Austritt Konsequenzen”, sagte er. Es könnte Wechselwirkungen mit anderen Ländern geben. “Aber wir sollten den Ball flach halten, Griechenland wird überstanden werden.”
Signal Iduna erzielte 5,47 Mrd. Euro Beiträge im Jahr 2011. Der Rückgang gegenüber den 5,64 Mrd. Euro im Jahr 2010 sei der bewussten Aufgabe von Lebensversicherungsgeschäft gegen Einmalbeitrag geschuldet, sagte Vorstandschef Reinhold Schulte. Der Gewinn sank von 82 Mio. Euro auf 76 Mio. Euro. Der bis 2021 verlängerte Sponsorenvertrag mit Borussia Dortmund habe den Bekanntheitsgrad des Versicherers deutlich gesteigert, sagte Schulte. Selbst in Polen – wo Signal Iduna drei Töchter hat – würden Spiele übertragen, weil Dortmund polnische Nationalspieler unter Vertrag hat.