Allianz attackiert Griechenland-Skeptiker

Der Versicherer Allianz hat im ersten Quartal eine deutliche Gewinnsteigerung um 530 Mio. Euro auf 1,45 Mrd. Euro erzielt, rechnet aber mit weiteren Problemen durch die Finanzkrise. Quartalszahlen sind bei großen Versicherern und Rückversicherern im wesentlichen Trendaussagen und ansonsten wenig aussagekräftig – ihr Geschäft ist gerade der Ausgleich von Risiken über längere Zeiträume.
Die Allianz-Zahlen der ersten drei Monate wurden positiv beeinflusst vom Ausbleiben großer Naturkatastrophen wie dem Erdbeben in Japan, die im Vorjahr das Quartal dominierten. Außerdem konnte die Allianz aus der Beendigung ihrer Hilfsaktion für den US-VersichererHartford 84 Mio. Euro verbuchen – sie konnte aus dem Verkauf von damals erworbenen Wertpapieren Gewinn ziehen. Insgesamt hat die Allianz mit dem Hartford-Deal 1,4 Mrd. Euro verdient, der größte Teil kommt den Kunden zu Gute. Belastet wurden die Zahlen durch eine Abschreibung von 77 Mio. Euro auf den Anteil von sieben Prozent an der spanischen Banco Popular.
Der führende europäische Versicherer, der in fast allen Ländern des Kontinents tätig ist, sprach sich gegen den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone aus. Controlling-Vorstand Oliver Bäte sagte auch, dass der Konzern zu Italien stehe. Dort hat die Allianz eine große Versicherungstochter und hält Staatsanleihen mit einem Buchwert von 32 Mrd. Euro.
“Unser Basisszenario ist nach wie vor, dass Griechenland in der Euro-Zone verbleibt”, sagte Bäte. Man müsse den Griechen – wie bereits von Konzernchef Michael Diekmann verlangt – mit einer Art Marshall-Plan helfen, den Konsolidierungskurs zu bewältigen.
Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone würde kein Problem lösen. “Falls der schlimmste Fall eintritt und Griechenland einseitig das Troika-Memorandum aufkündigt und die Zahlungen einstellt, gibt es im Gegenzug auch keine Finanzhilfen mehr.” Damit sei das Land spätestens im Sommer pleite und könne auch keine Löhne mehr zahlen, die Insolvenz hätte den Austritt aus dem Euro zur Folge.
“Die Folgen für das Land wären verheerend, und deshalb muss das unbedingt vermieden werden”, sagte Bäte. Andere Länder würden angesteckt. Den Steuerzahler in Deutschland käme der Austritt Griechenlands teuer zu stehen. “Wer hier ständig nach dem Ende des Schreckens ruft, soll sich das bitte zweimal überlegen”, kritisierte Bäte.
Er sagte, die Allianz habe zum italienischen Staat und der Wirtschaft nach wie vor Vertrauen. Bäte wollte die Herabstufung von 26 italienischen Banken durch die Rating-Agentur Moody’snicht bewerten. Die Regierung in Rom habe Enormes bewegt, gerade im Vergleich mit den Vorjahren. “Aber auch Italien arbeitet und wirtschaftet nicht in Isolation. Wenn sich die Bedingungen der Euro-Zone verschlechtern, kann sich Italien dem nicht entziehen.”
Bäte nahm auch zu den wichtigsten Baustellen des Unternehmens Stellung. In der Schaden- und Unfallversicherung meldete die US-Tochter Fireman’s Fund weiterhin schlechte Zahlen – im ersten Quartal betrug die Schaden- und Kostenquote 105,7 Prozent der Prämien, eine deutliche Verschlechterung gegenüber den 102,5 Prozent im Vorjahreszeitraum. “Wir arbeiten konsequent an der Umstrukturierung”, sagte Bäte. Der US-Markt sei sehr schwierig, vor allem in der Unternehmensversicherung. Jetzt wolle die Allianz mit neuen Preismodellen die Wende einleiten, die sich aber erst im Ergebnis 2013 niederschlagen werde.
In Deutschland habe das erste Quartal gezeigt, dass die Allianz den Abrieb bei den Prämien gestoppt habe. Die Einnahmen steigen um 0,8 Prozent auf 3,9 Mrd. Euro. “Das Team um Herrn Rieß macht, glaube ich, einen sehr guten Job”, sagte Bäte. Markus Rieß ist Chef der Allianz Deutschland.
In der Lebens- und Krankenversicherung sank der Allianz-Umsatz weltweit um vier Prozent auf 13,7 Mrd. Euro. Dazu trug die Aufgabe des Geschäfts in Japan bei, aber auch ein Einbruch um 37 Prozent in Italien. Dort verkauft die Allianz sehr viel über den Bankpartner Unicredit. “Im ersten Quartal mussten die vor allem an die eigene Liquidität denken”, sagte Bäte – sprich, Unicredit verkaufte kaum Lebensversicherungen, sondern eigene Anlageprodukte. “Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass eine Bank sich in der Krise zunächst einmal selbst stützt.”
Bäte sagte, die Beteiligung von Versicherern an Banken würden zunehmend von den Aufsichtsregeln, vor allem Solvency II, bestraft. “Wir müssen sie systematisch überprüfen und herunterfahren”, sagte er.