Sex-Spur führt zu AWD-Gründer

Die Ergo Versicherungsgruppe erwägt, wegen der Lustreise ihrer Vertreter eine Strafanzeige zu stellen. Bei der Veranstaltung der Hamburg-Mannheimer, die inzwischen in der Ergo-Gruppe aufgegangen ist, wurden mit Kundengeldern mindestens 20 Prostituierte bezahlt, um den 100 besten Vertretern im Juni 2007 in der Gellert Therme in Budapest zu Diensten zu sein. „Wir prüfen derzeit, welche Möglichkeiten bestehen, gegen die damals Verantwortlichen vorzugehen“, sagte eine Ergo-Sprecherin. „Dazu gehört auch die Prüfung der strafrechtlichen Seite.“

Der Verantwortliche für die Reise sieht diese Prüfung gelassen. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen“, sagte der ehemalige Vertriebschef Kai Lange, der 2007 zu der Reise einlud. Er selbst habe sich den ganzen Abend im Bereich der Discothek aufgehalten. Er wisse daher nicht, was seine Vertreter auf dem Gelände der Therme gemacht hätten. Die Frage, wer, wenn nicht er, die Anweisung gab, Prostituierte einzuladen und Himmelbetten aufzustellen, beantwortete Lange nicht. Teilnehmer berichten, Lange habe die Frauen an dem Abend selbst vorgestellt.

Lange ist der Gründer des Finanzdienstleisters AWD. 1999 wechselte er als Vertriebsdirektor zur Hamburg Mannheimer. Seit 2008 arbeitet er für den AWD-Konkurrenten Formaxx. Nach Angaben des Formaxx-Vorstand Eugen Bucher gibt es dort keine Sexreisen. Auch ein AWD-Sprecher schloss Sexreisen für sein Unternehmen kategorisch aus.

Beim Ergo-Konzern läuft derzeit die Untersuchung des Skandals. Bei der Veranstaltung trugen die Prostituierten farbige Bänder an den Handgelenken, um zu kennzeichnen, für welche Zwecke und für welche Vertreter sie vorgesehen waren. Nach jedem Liebesdienst wurden die Frauen am Unterarm abgestempelt.

Ergo prüft nun auch, ob es weitere Vorfälle gab. Beim Handelsblatt meldeten sich mehrere ehemalige Vertreter, die von ähnlichen Eskapaden der Hamburg-Mannheimer berichteten. Prostituierte, insbesondere aus Hamburg, seien auch bei Führungskräftetagungen Stammgäste gewesen.

Der Autor, der in der Vertriebszeitung der Hamburg Mannheimer die Budapest-Orgie als „Mordsspaß“ bezeichnete, gibt an, er habe den Artikel auf Geheiß aus der Zentrale verfasst. Auch der Tonfall sei vorgegeben gewesen. Die zuständige Führungskraft sei immer noch bei der Hamburg Mannheimer beschäftigt. Eine Ergo-Sprecherin sagte, die Personalie werde geprüft.