Auf der Anreizmesse

“The Waters of Life” haben die Ungarn über ihren Stand geschrieben. Wahllos greift man hinein in den Stapel mit den Werbemappen und erwischt den bordellroten Prospekt des Spa-Aphrodite-Bads Budapest. “Mix Business with Pleasure” steht auf der Broschüre, wobei das Vergnügen den Ausführungen zufolge neun Massagearten umfasst.

Budapest. Spa. Aphrodite. Massage. War da nicht was?
a, dummerweise: Wie man seit voriger Woche weiß, hat die Hamburg-Mannheimer im Jahr 2007 die Budapester Gellert-Therme – sozusagen den Nachbarn des Spa-Aphrodite-Bads – in einen Puff für seine Vertreter verwandelt. Seit Tagen zerreißt sich Wirtschaftsdeutschland das Maul über die Geschichte, und ausgerechnet jetzt steigt in Frankfurt die Imex – die weltgrößte Messe für die Veranstalter von Kongressen, Geschäftsreisen und Incentives, also Dankeschön-Events für verdiente Mitarbeiter. Irgendwie schlechtes Timing. “Die Sache in Ungarn kommt natürlich ungelegen”, flüstert die Messesprecherin.
Dabei ist die Sache doch eigentlich gar nicht der Rede wert! In der Meeting-Industrie gibt es schließlich so viele andere, so viele schönere Themen, so viele “Business Opportunities”, wie Ray Bloom, der Chairman der Imex in seiner Begrüßungsrede sagt. Nach Bloom spricht Matthias Schultze, der Chef des deutschen Branchenverbands GCB. “Events und Meetings sind kräftige Motoren der globalen Industrie”, erklärt er. Später, angesprochen auf die Thermenaffäre, sagt Schultze dann, dass “die Corporate Governance immer stärker unter Beobachtung steht”, dass sich aber “viele große Unternehmern längst entsprechen aufgestellt haben”.
Sein Branchenverband hat für dieses Jahr das Motto “Go Green” ausgegeben, was “nicht nur die ökologische, sondern auch eine soziale Komponente” beinhalte. Schultze zeigt eine Studie: Bereits 27 Prozent der deutschen Veranstalter betreiben Nachhaltigkeitsmanagement. Und immerhin 23 Prozent haben sogar einen Beauftragten für Barrierefreiheit.
Natürlich passt das alles nicht zusammen. Die Therme. Die Prospekte. Die Barrierefreiheit. Anderseits: “To make professionals better” – allein darum gehe es in der Meeting-Industrie, sagt Eric Rozenberg, der nach Schultze spricht und eine Art Branchenguru zu sein scheint.
Die Leute produktiver machen, das also! Auf welche Weise, ist ja letztlich wurscht.