Bankenaufsicht verschärft den Stresstest

London Die Großbanken in der Europäischen Union müssen sich in den kommenden Monaten einem verschärften Stresstest stellen. Die Europäische Bankenaufsicht EBA legte am Freitag in London erste Kriterien vor, mit denen sie prüfen will, ob die Institute für mögliche neue Krisen gerüstet sind. In dem Stressszenario, das einen Wirtschaftseinbruch und einen Verfall von Immobilienpreisen vorsieht, müssen die Banken beweisen, dass sie trotzdem genug Eigenkapital haben. Dabei werden erstmals auch Staatsanleihen unter Druck gesetzt. Die Details sind aber weiter offen.

In dem Test darf die sogenannte harte Kernkapitalquote, die den Bestand an Eigenkapital ins Verhältnis zu den Risikopositionen setzt, nicht unter 5,5 Prozent rutschen. Beim letzten offiziellen Stresstest 2011 lag die Messlatte bei fünf Prozent. Banken, die das nicht schaffen, sollen dazu gezwungen werden, ihre Puffer zu stärken. Experten legten zuletzt Berechnungen vor, wonach der Test neue Kapitallücken im dreistelligen Milliardenbereich auftun könnte.

Ziel der Überprüfung ist es, das Vertrauen der Märkte in die Stabilität der Banken zu stärken. Die bisherigen Überprüfungen der Behörde hatten das nicht geschafft. Zum Teil hatten Banken bestanden, die kurze Zeit später in einer Schieflage gerieten. Vielen Beobachtern galten die Kriterien als zu lasch, weil etwa Staatsanleihen in den Bilanzen der Banken unbeachtet blieben.

Die genauen zwei Stress-Szenarien sollen spätestens im Mai bekannt gegeben werden. Simuliert werden sollen auf jeden Fall ein Konjunkturabschwung, Kreditausfälle, ein Verfall der Preise von Staatsanleihen, Refinanzierungsprobleme und Spannungen an den Verbriefungsmärkten. Nationale Aufseher können dieses Mal im Gegensatz zu früheren Tests zusätzliche Stress-Kriterien für ihre jeweiligen Banken festlegen.

Insgesamt müssen sich im Frühjahr und Sommer 124 Banken aus 22 EU-Ländern der Prüfung stellen, 104 davon aus der Euro-Zone, 23 aus Deutschland – 2011 mussten sich insgesamt 91 Geldhäuser dem Stresstest stellen. Die Ergebnisse will die EBA im Oktober vorlegen. Der EBA-Stresstest ist auch die Basis für den Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB). Dabei kann die Notenbank in ihrer Überprüfung auch über die Vorgaben der EBA hinausgehen.

So war zuletzt davon die Rede, dass die EZB eine Kernkapitalquote von sechs Prozent vorgeben könnte. Der EZB-Stresstest schließt die laufende dreistufige Überprüfung der rund 130 größten Banken der Eurozone ab. Mit dem Fitnesscheck will die EZB Risiken in den Bilanzen aufspüren, ehe sie Ende dieses Jahres die zentrale Aufsicht über die Geldhäuser übernimmt.

Viele Details der Überprüfungen sind allerdings noch offen. So ist nach Einschätzung des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) noch unklar, ob die EU-weiten Vorgaben der EBA für ihren Stresstest auch mit dem Stresstest der EZB für die Euroländer identisch sind. Diese dürften auch nicht in Details voneinander abweichen, sagte BdB-Geschäftsführer Michael Kemmer. Er forderte die Behörden zu einer einheitlicheren Kommunikation auf. „Auseinandersetzungen zwischen europäischen Behörden sollten nicht auf dem Rücken der Banken ausgetragen werden.

Der BdB lehnt es grundsätzlich ab, dass es unterschiedliche Vorgaben in einzelne Ländern geben soll. Zugleich lobte der Verband, dass Staatsanleihen nun auch in den Test einbezogen werden sollen.